Konfirmationsjubiläen
Alle Jahre wieder feiert die Gemeinde an Palmsonntag die Konfirmationsjubiläen. Der zentrale Gottesdienst für alle Teile der Gemeinde Saarbrücken-Halberg am 29. März 2026 fand im Gemeindezentrum Brebach statt. Prädikant Jens Ammer gestaltete den Gottesdienst. In der Predigt ging er der Frage auf den Grund, welche Bedeutung die Karwoche für das eigene Leben haben kann und warum die Gemeinde gerade an diesem Tag das Konfirmationsjubiläum feiert.
Predigt
Liebe Gemeinde,
heute ist Palmsonntag, der Beginn der Karwoche. Wenn wir uns in die Zeit Jesu zurückversetzen, dann hören wir vielleicht die Rufe, die durch die Straßen von Jerusalem schallen und laut zu hören sind: „Hosianna! Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“
Die Menschen stehen mit schwenkenden Palmwedeln am Straßenrand, jubeln und breiten ihre Kleider auf der Straße aus. Es herrscht große Begeisterung und Aufbruchstimmung, etwas Neues, liegt in der Luft.
Doch in dieser Woche wird die Stimmung massiv umschlagen, aus den Hosianna-Rufen voller Begeisterung werden schließlich „Kreuzige-ihn-Rufe“ voller Wut und Hass.
Nach der Begeisterung und Hoffnung am Palmsonntag tauchen zunächst erste Fragen und Zweifel auf. Es kommen Unverständnis, Enttäuschung, Verrat und Wut dazu. Und schließlich der absolute Tiefpunkt an Karfreitag mit großem Schmerz und tiefer Trauer. Nach der Trauer kommen an Ostersonntag jedoch wieder Hoffnung, Freude und Aufbruch auf. Für manche zunächst auch Unglauben und Unsicherheit, bevor dann auch den Ungläubigen klar ist, dass all das so sein musste, dass all das Jesus selbst vorausgesagt hatte.
Diese eine Karwoche führt uns also mitten hinein in die komplette Gefühlswelt von uns Menschen, mit allen Höhen und Tiefen. Diese eine Woche ist sozusagen ein „Leben im Schnelldurchlauf“!
Mir persönlich hilft diese Woche, um mit den Tiefen des Lebens besser umgehen zu können, denn ich weiß, dass am Ende nicht das Dunkel das letzte Wort haben wird und dass Gott uns unser ganzes Leben begleitet, auch wenn ich es nicht sofort erkennen kann oder will.
Somit kann uns allen diese Karwoche helfen, wenn wir durch unser Leben gehen. Manchmal erkennen wir Gottes Wirken nicht sofort und brauchen vielleicht etwas länger, so wie der zweifelnde Jünger Thomas. Aber wir können uns der Begleitung Gottes gewiss sein und in der Karwoche lernen, mit Höhen und Tiefen unseres Lebens besser umzugehen.
Als ihr, liebe Jubilarinnen und Jubilare, konfirmiert wurdet, lag vielleicht auch eine Aufbruchstimmung und etwas Neues in der Luft. Denn bis in die 1960er Jahre hinein war ein Schuljahr nicht vor den Sommerferien, sondern vor Ostern zu Ende. D.h. die Konfirmation bedeutete auch, dass man die Pflichtschulzeit beendet hatte und in das Berufsleben eintreten konnte. Einige waren vielleicht voller Freude und neugierig, andere waren vielleicht skeptisch und unsicher. Da konnte es sicher nicht schaden, dass man für den weiteren Lebensabschnitt auch gleich noch einen kirchlichen Segen mitbekam. Lange Zeit war daher Palmsonntag der klassische Konfirmationstermin und so ist es sachlogisch, dass wir in unserer Gemeinde an Palmsonntag das Konfirmationsjubiläum feiern.
Liebe Jubilarinnen und Jubilare,
ihr alle könnt auf viele Jahre eures Lebens zurückblicken, ihr kennt die Höhen und Tiefen, die das Leben bereithält, ganz genau. Viele Karfreitage habt ihr erlebt, aber auch Palmsonntage und Osterfeste. Leider feiern heut nicht mehr alle Mitkonfirmandinnen und Mitkonfirmanden von damals mit uns, da sie schon in das Reich Gottes übergetreten sind. Auch an sie wollen wir heute denken!
Palmsonntag ist also ein Anfang und die Karwoche endet nicht an Karfreitag. Sie dauert bis nächsten Sonntag, bis Ostern. Die Woche führt also auf neues Leben zu, auf Hoffnung und auf Auferstehung.
Palmsonntag und die Karwoche erinnern uns alle daran, dass der Weg mit Gott oft mit Freude beginnt, aber dass er auch tiefer geht. Der Weg mit Gott führt uns durch Höhen und Tiefen des Lebens, durch Zweifel und Vertrauen, durch Leben und Sterben.
Und doch gilt immer, auch wenn wir es nicht direkt erkennen und vielleicht etwas länger brauchen, Gott bleibt an unserer Seite. Gestern. Heute. Und morgen.
Amen.