Vom Glück in der Gemeinde
„Glück“ ist das Schwerpunktthema des Gemeindemagazins April bis Juli 2026. Hier findet ihr einen Auszug daraus. Alle Beiträge können ihr hier nachlesen.
Ein Moment gelingender Weltbeziehung
von Veronika Kabis
„Wenn du dich nur genug anstrengst, kannst du glücklich sein.“ So lautet ein unausgesprochenes Prinzip unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Höher, schneller, weiter – glücklicher? Dass diese Rechnung nicht aufgeht, merken viele Menschen heute. Zum einen machen Bedrohungen wie Klimakrise und Kriegsgerassel zunehmend Angst und führen dazu, dass selbst individuelle Glücksmomente mitunter im Halse stecken bleiben. Zum anderen führen Beschleunigung und der Versuch, uns selbst zu optimieren, dazu, dass wir uns von der Welt entfremden. „Je mehr wir kontrollieren, optimieren und verfügbar machen wollen, desto stummer wird die Welt“, sagt der Soziologe Hartmut Rosa. Die Welt erscheint kalt, gleichgültig und feindlich, alles wird Mittel zum Zweck, selbst unsere Beziehungen. Glück hingegen könnte man definieren als Moment gelingender, resonanter Weltbeziehung. Anders gesagt: Ein gutes Leben ist eines, in dem wir von der Welt berührt werden und antworten können.
Da kommt die Kirchengemeinde ins Spiel. Ohne Gemeinde idealisieren zu wollen, möchte ich doch behaupten, dass sie in Zeiten der Entfremdung, der Angst und Auflösung von Beziehungen ein außerordentlich wichtiger Ort sein kann. Genau jener Ort nämlich, an dem Menschen jeden Alters die Erfahrung von Resonanz machen können: indem sie andere Menschen treffen und sich mit ihnen austauschen – mal über die kleinen Dinge des Alltags, mal über die großen Lebensfragen. Wie finde ich wieder Sinn im Leben, wenn ein lieber Angehöriger gestorben ist? Wie komme ich mit dem Alleinsein zurecht? In der Gottesdienstwerkstatt Anfang des Jahres hat ein Teilnehmer auf die Frage, was er sich vom Gottesdienst erhofft, geantwortet: „berührt zu werden“. Genau dieses innerliche Berührtwerden ermöglicht es Menschen, Glücksmomente zu erleben. Glück ist dabei nie ein dauerhafter Zustand, sondern (nur) ein Moment gelingender Weltbeziehung. Für jeden solchen Moment aber lohnt es sich, eine offene, einladende Kirchengemeinde zu sein. Alle, die hier aus- und eingehen, können dazu beitragen, wieder ein bisschen mehr vom kleinen oder großen Glück ins Leben zurückzubringen. Wichtig ist dabei, dass die Gemeinde nie zur geschlossenen Gesellschaft wird. Alle müssen darauf achten, dass andere neu dazukommen können – egal, ob sie nur unverbindlich vorbeischauen oder sich längerfristig binden und einbringen wolle