Reformation grüßt Halloween
Reformation oder Grusel-Kult? Warum eine Kirche Halloween umarmt
Süßes, Saures und 95 Thesen: Die Evangelische Kirche am Lorenzberg bricht mit einem Tabu. Statt protestantischer Abgrenzung gibt es am 31. Oktober ein Experiment mit der dunklen Seite.
Kürbiswahnsinn, Gruselmasken und ein heidnisches Spektakel im Griff der Konsumindustrie: Mit diesen Argumenten lehnen viele Protestanten den Kultur-Import aus den USA ab. Wer linientreu bleiben will, hängt am 31. Oktober ein Schild an die Haustür: „Wir feiern Reformationstag!“
Doch der Blick auf die Straße zeigt: Damit steht die Kirche oft auf verlorenem Posten. Die Faszination von Monstern und Vampiren ist gerade bei Jüngeren längst größer als das Interesse an einem Reformator, der vor über 500 Jahren theologische Thesen an eine Holztür nagelte.
Die Evangelische Kirchengemeinde am Lorenzberg ändert deshalb in diesem Jahr radikal die Taktik: Nicht Abgrenzen, sondern Umarmen lautet die Devise. Unter dem Leitgedanken „Keine Angst vor der dunklen Seite der Macht!“ öffnet sich die Kirche am Samstagabend ganz bewusst dem schaurigen Treiben.
Gottesdienst mit Jugendlichen
Rundfunkpfarrer Jörg Metzinger wird gemeinsam mit Joschka Bauer und Jugendlichen der Gemeinde das pralle Gruselleben der Halloweenbräuche lustvoll in den Kirchenraum integrieren. Dabei geht es nicht um plumpe Anpassung, sondern um eine Spurensuche: Was verbindet den Reformationstag und die Nacht der Geister? Wo stecken gemeinsame Ängste, und wo darf Unterschiedliches nebeneinander stehenbleiben?
Erfrischender Gottesdienst mit cooler Musik
Wer Lust auf einen erfrischend anderen, provokanten und lebendigen Abendgottesdienst hat – ob im Kostüm oder im klassischen Gewand –, ist am Lorenzberg willkommen. Für coole Musik sorgt das Duo Pink Varnish (Andreas Usner und Barbara Bay).
Samstag, 31. Oktober, 18 Uhr (Schafbrücke)
Ebenfalls am 31. Oktober, 18 Uhr, findet in Fechingen ein Gottesdienst zum Reformationstag mit Prädikant Jens Ammer statt.